Arteya

Dienstleistungen rund ums Pferd

Angela Kaiser-Mayer, B-Trainerin Westernreiten

Westernreiten -

Nachbericht Show Zweibrücken 18.9.2005

Tag des Paint

...aus der hypo(hippo-)thetischen Sichtweise der Mitwirkenden Ramona (Mon genannt), 17-jährige Welsh-Cob - Stute

Als einige Zeit vor dem Bananentag meine Menschin verstärkt anfing, das was sie "Training" nennt mit mir zu machen, ahnte ich schon, dass da irgendwas im Busch ist. Bananentage kündigen sich immer gleich an. Am Anfang war das Training...

Aber eigentlich find'ich das gut. Ich mag Bananentage und ich "arbeite" auch gerne, solange darunter nicht verstanden wird, dass ich reitunerfahrenen Zweibeinern beim Erfahrungen sammeln helfen soll.

So richtig kontinuierlich trainiert haben meine Menschin und ich dieses Jahr eigentlich nicht. Außer mal ein bißchen Seitengänge auffem Grasweg, Schrittstangen im Wald und was sich so nebenbei ergibt.
Ist auch besser so, Wiesen finde ich als Trainingsplatz auf Dauer auch net grad prickelnd. War am Anfang ja ganz nett, aber langfristig wär' mir ein Reitplatz schon lieber. Nich' so tief, schön eben und KEIN Matsch! Und im Winter 'ne Halle, nich' zu trocken, nich' zu naß...

Aber das wollte ich ja gar nicht erzählen, sondern von der Show.
Die große "Party" fing wie üblich ein paar Tage vorher mit rituellen Handlungen an. Das ist immer eine sehr spaßige Phase. Ich hab meine Menschin beim Sattel putzen beobachtet! Zum Wiehern! Mit 'ner Zahnbürste! Auf den Knien! (vor mir kniet die nie! Da muß immer ich knien oder dieses "Kompliment" machen und krieg net mal jedesmal ein Leckerli!)

Am Tag vor'm großen Auftritt war natürlich der obligatorische "mein-Pony-soll-glänzen - Großputz". Dieses Jahr bin ich um die Wasch-Prozedur herum gekommen, und ich bin ihr auch immer wieder dankbar, wenn sie mich mit Spray und Bürsten sauber macht und net mit einem Hochdruckreiniger, wie das bei meinen Schlammkrusten manchmal angebracht wäre.

Eigentlich kann ich Schlamm nicht leiden, wenn ich durchlaufen soll z.B., aber wenn es so ein bißchen windig ist hält so eine Schlammkruste auf dem Fell schon ein bißchen was ab. Trocknet auch recht schnell und ist nur am Anfang ein bißchen kühl. So direkt nach dem Wälzen.

Mon Paniert    Mon Paniert 2
Mon Paniert (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Dann war da dieses Desaster, das Angie (so nennen die Zweibeiner meine Menschin) "Generalprobe" nennt. Gleich nach dem Großputz. Mir wären vor Lachen meine Flecken aus dem Fell gefallen, wenn noch welche drin gewesen wären! "Mein Kampf mit der Technik" wär ein Thema zu dem meine Menschin 'nen langen Beitrag leisten könnte. Früher hat sie sich enorm aufgeregt und viel geflucht. Is' dann immer richtig nervös geworden, wenn bei der Generalprobe wieder nix geklappt und ich ein bißchen rumgekaspert hab. Mittlerweile isse da echt cool. Na ja, was man bei der so cool nennen kann. Aber so isse eben.

Angie
Angie (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Sonntagmorgens ging's dann los. Alles war wie üblich fertig zur Abfahrt, ich musste mir nur noch die Transportgamaschen anlegen lassen und husch!, in den Hänger rennen, ab die Post!

Rumfahren find ich cool. Jedenfalls solange ich in einem von meinen großen Anhängern gefahren werde und ich keine Nervensäge neben mir stehen hab'. Natürlich muß das Heunetz gut gefüllt und das Rumkutschieren net grad fünf Stunden dauern. Diesmal waren es rund eineinhalb Stunden, kein Stau und ich hab mir genüßlich den Bauch vollgefressen und dabei hinten rausgeguckt, wie ich das immer tue.

Das letzte Stück war ein bißchen holprig und hat sich echt komisch angefühlt. Ich hab mein Eintreffen auf der Anlage mit lautem Wiehern angekündigt und auch gleich von ein paar Genossen Antwort gekriegt. Ich bin immer gespannt, wo ich dieses mal aussteige. Ob ich die Anlage kenne, oder jemand Bekanntes da ist. Dann hat der Motor geheult, aber wir haben uns nicht vorwärts bewegt. Hab nur noch kurz das Geräusch von durchdrehenden Reifen gehört und durfte auch schon aussteigen. Mitten in einer kleinen Seenlandschaft, die wohl mal eine Wiese war!

Angie hätt' ja nach 'nem besseren Parkplatz suchen können, aber wahrscheinlich hatte sie es wieder eilig. Hat mich auch gleich hinten an der Hängerklappe festgebunden, mein Heunetz nebendran und ihre Freundin Iris als Aufpasserin bei mir gelassen. Schon war sie samt Gefolge verschwunden.

Mon mit Hänger
Mon am Hänger (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Auf der Wiese war nix los. Die anderen Pferde waren eindeutig auf den Reitplätzen und in der Halle, was sich alles außerhalb meiner Sichtweite befand. Zeit, um Spaß zu haben! Nachdem ich erstmal so richtig am Hänger randaliert und mit Macht am Strick gezerrt habe (man hätte, als ich fertig war, an der Stelle wunderbar Kartoffeln einpflanzen können) war Iris davon überzeugt, daß sie besser ein bißchen mit mir spazieren geht. Meine Rufe schallten über die gesamte Anlage und ich bekam reichhaltig Antwort. Ich wußte genau, wo ich hin will, aber Iris meinte, wir sollen oben auf der Wiese bleiben. Lieber erduldete sie mein Protestgeschrei und mein Rumgehampel als einfach mit mir runter ins Getümmel zu gehen! Manchmal is¥ Iris noch sturer als ich! Nicht mal meine Drachennummer hat geholfen. Beim Drachenspielen blase ich mich so richtig auf; spanne alles was ich habe, an; blase die Luft durch die Nüstern, so daß diese einzigartigen Geräusche entstehen, als würde ich Feuer speihen und stelle die Augen, daß das Weiße ganz bedrohlich leuchtet. Dabei bleibe ich keine Sekunde ruhig stehen und tänzle elegant auf der Stelle.

Iris blieb unbeeindruckt und nannte mich wie meist bei solchen Gelegenheiten, "Hische"! Immer wenn sie das sagt, hab ich das Gefühl, sie nimmt mich nicht wirklich ernst.

Endlich kam Angie wieder. Iris hat gleich gepetzt und ich kassierte jenen Blick von meiner Menschin, der sich nicht entscheiden kann, ob er jetzt mehr tadelnd oder belustigt sein soll.

Es sah witzig aus, wie sie zwischen den Pfützen durch den Matsch hüpfte um zigmal die Distanz zwischen dem hinteren Teil des Anhängers, an den sie mich wieder festgebunden hatte und dem Kofferraum des Autos zu überwinden. Dabei ermahnte sie mich ständig, ich solle doch mal ruhig stehen bleiben. Manchmal kann ich es echt nich¥ mehr hören! "Mon Whoa!" "Whoa und bleib!!" "MON!!!" "x*#&*!!!!" Die Wandlungsfähigkeit von Angies Stimme ist enorm und ich weiß genau, wann ihr der Geduldsfaden reißt.

Ich überwand mich und zeigte mich kooperativ.Das Putzen ging schnell und mit Satteln hat sie sich auch beeilt. Ich war auch so gütig, ruhig stehen zu bleiben, während sie das rote Dekoband in meine Mähne geflochten hat.

Putzaktion
Putzaktion (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Zusammen stürzten wir uns dann endlich ins Getümmel!
Und da war richtig was los, kann ich euch sagen!
Wie bei einem Tag des Paints (Paints sind bunte Genossen, g¥fleckte, kennt mer saache) nicht anders zu erwarten waren viele Gescheckte anwesend. Stuten mit Fohlen, aber auch welche unterm Sattel. Und jede Menge Pferde verschiedenster Rassen und Abstammungen. Einige hatten auf dem Abreiteplatz richtig Spaß mit ihren Menschen, wie ich aus dem Augenwinkel beim Grasen neben dem Platz, sehen konnte.

Mon grast
Grasen (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Ich mag diese Atmosphäre auf Anlagen bei Großereignissen. Menschen und Pferde kommen und gehen, machen sich warm, reiten Prüfungen, diskutieren miteinander und ich bin mittendrin und fresse. Als ich kein Gras mehr in Reichweite hatte (ich darf mich dann zwar relativ frei bewegen, muß aber immer bei der Herde, auch Gefolge genannt, bleiben,) bekam ich mein Heunetz gebracht.

Schließlich war auch für mich Aufwärmen angesagt. In Schlangenlinien bin ich mit Angie über den Platz marschiert, immer bemüht, größeren Pfützen auszuweichen.

War ne richtige Abwechslung mal wieder auf einem begehbaren Platz zu laufen. Enge Wendungen ein bißchen schneller als auf der Wiese zu gehen, ein paar verstreute Stangen über die ich dann, seitwärts drüber, rückwärts durch und in allen Gangarten vorwärts drüber gegangen bin. Abreiten mit allem Drum und Dran, so wie ich das mag.

Abreiten in Zweibrücken   
Abreiten (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Nach einer weiteren Freßpause war es dann soweit. Angie hatte sich in Schale geworfen und Steffi, die mit uns tanzen wollte, sah ebenfalls sehr adrett aus.Zusammen haben wir uns erstmal die Halle angeguckt. Schön geschmückt war sie und die Musik konnte man auch gut hören. Der Boden war ganz nach meinem Geschmack, griffig und nicht tief.

In der Ecke hab ich mich noch schnell erleichtert, Steffi hat Angie das Verbindungstuch hingestreckt und wir warteten gespannt auf den Sprecher.


Aufstellung (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Ich konnt¥ kaum ruhig stehen. "ANFANGEN!" schrie es in mir. Und ich machte mich mit auf der Stelle traben warm. Den Sprecher habe ich nicht so richtig verstanden, aber dann drang Musik an mein Ohr. JETZT! Jetzt isses so weit!

Steffi lief los, in großem Abstand zur Bande.
Die erste Trabvolte um Steffi war ein bißchen unsicher, aber dann lief alles wie am Schnürchen.

Enge Volten in allen Gangarten, Drehungen um die Mittelhand zusammen mit Steffi am Boden (okay, ihre Mittelhand is¥ schon ein bißchen schmaler als meine, dafür ist sie eben Zweibeiner), Rückwärtsvolten, schnelle Übergänge und das alles zu Musik von Loreena McKennitt und Michael Flatleys Riverdance. Tanzen mit Musik ist toll! Und bei den Galopp-Pirouetten konnte ich dann zeigen, was in mir steckt. Ich denke es war schon so, wie Angie sich das ursprünglich gedacht hat und wie es bei der Generalprobe vorne und hinten nicht funktioniert hat.

Show Zweibrücken    Show Zweibrücken
Menschen und Pferd tanzen (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Dann die Trense runter und weiter mit Halsring. Mit Halsring geritten zu werden ist klasse! Endlich hab ich jede Menge Kopffreiheit, werd nicht ständig ermahnt meine Nase unten zu lassen und kann die Menschen zum Lachen bringen, wenn ich beim Rückwärtsgehen zu Flehmen anfange.

In schönen Schlangenlinien sind wir wieder zu Steffi geritten, Tuch wieder aufnehmen und schon hat die Musik zugelegt. Musik ist auch was Tolles! Da kann man so schön im Takt die Füße werfen! Und "Riverdance", so hieß die Musik, ist genau richtig für mich. Ich bin zu Hochform aufgelaufen! Galopp-Pirouetten und kleine Rollbacks, vorwärts - rückwärts und noch mehr. Einmal hin, einmal her, Rundherum, das ist nicht schwer!

  
Menschen und Pferde tanzen (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Schon waren wir bei meinem Lieblingspart angelangt. Bei Reining-Elementen werd ich erst richtig wach! Weg mit dem verbindenden Tuch und ab durch die Mitte! Erst langsam um die Ecke galoppieren und dann auf der Geraden, direkt aufs Publikum zu, Tempo zulegen. Stoppen, Wenden in einem Sprung und gleich wieder los galoppieren. Und noch einmal! Nach der nächsten Wendung hat Angie mir dann auch noch den Halsring abgenommen und wir haben eine letzte Runde im Galopp gedreht.

Natürlich durfte ich dann noch meine Lieblingszirkuslektion "Kompliment" mit Angie im Sattel vorführen und nachdem sie abgestiegen war hab ich mich schön hingekniet. Das finden die Zweibeiner immer toll und klatschen dann ganz viel. Nach der Arbeit hab ich meinen Feierabend neben dem Bierstand genossen. Angie hat sich mit vielen Zweibeinern unterhalten und manche haben mir auch was Feines vor die Nase gehalten.

Feierabend
Feierabend (Anklicken öffnet eine vergrösserte Ansicht)

Die Heimfahrt verlief unspektakulär und ich war schon froh als ich wieder in meinem Stall war, einen Berg Heu vor meiner Nase und endlich das bekam, worauf ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte und wonach ich solche Tage benannt habe: Eine schöne, wohlschmeckende Banane! Einfach himmlisch!

die wohlverdiente Banane