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Angela Kaiser-Mayer, B-Trainerin Westernreiten

Westernreiten -

Nachbericht zum Aktionstag in Oberwesel

Mit Pferden tanzen in Oberwesel

Am 09.06.02 bot sich den Gästen des Ferienhofes Hardthöhe in Oberwesel ein etwas ungewohnter Anblick.
Wo sonst überwiegend dem klassischen Reitsport gefröhnt wird, erhielt man Einblicke ins Westernreiten.

Ursprünglich geplant war ein kleiner Westernevent, mit Vorstellung der Reitweise und einem kleinen Showprogramm unter dem Motto: Mit Pferden tanzen, spielen, flüstern und reiten.

Angela Kaiser-Mayer, lizenzierte Westerntrainerin aus dem am Donnersberg gelegenen Rüssingen, hatte sich bereit erklärt, mit ihrer Welsh-Cob Stute Ramona ins Tal der Loreley zu kommen.

Im Laufe der Vorbereitungen änderte sich der ursprünglich geplante Charakter des Events, von einer eher geschlossenen Veranstaltung zu einer auch der breiten Öffentlichkeit zugänglichen Mischung aus Tag der Offenen Tür und Spezialkurs.

Rita Lanius-Heck, Organisatorin und Hofbesitzerin, bewies ein weiteres Mal Flexibilität und Organisationstalent, und sorgte mit ihrem bewährten Team für ein ausgewogenes Rahmenprogramm mit Springen und Voltigieren und für Verpflegung für die Aktiven und Schaulustigen.
Diese waren zahlreich erschienen, auch die anwesenden Feriengäste, die in den idyllisch verstreuten Holzhäusern ihren Urlaub verbrachten, nutzten die Gelegenheit, sich Westernreiten mal aus der Nähe zu betrachten.

Nach einer kurzen Einführung über den Ablauf des Tages und ein paar Worten über ihre Person ("mein Hauptanliegen ist es, den Pferden den Umgang mit ihren Menschen zu erleichtern, die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd zu fördern und beiden zu einem erfreulichen Miteinander zu verhelfen") stellte Angela Kaiser-Mayer, gleich zu Beginn am Sonntagmorgen, den Zuschauern die vier gängigsten Disziplinen im Westernreiten vor.
Ihre Assistentin Iris Ley informierte derweil über die Ursprünge des Westernreitens, die einzelnen Westernreitverbände in Deutschland und kommentierte die Vorführung.

Zuerst wurde die Turnierdisziplin Trail vorgeführt.
Der Trail ist eine Gehorsams- und Geschicklichkeitsprüfung, bei der es gilt simulierte Geländehindernisse zu überwinden. Obwohl Turnierdisziplin lässt sich darin der Praxisbezug dieser Reitweise gut erkennen.
IL erklärte, dass bei der Ausbildung des Pferdes zu einem Partner für das anspruchsvolle Freizeit- oder Turnierreiten, die Bereiche rund um das Geländereiten ein wichtiger Schwerpunkt seien.
Fähigkeiten und Eigenschaften, die man sich bei einem guten Geländepferd wünsche, sollten bei der Trailausbildung gefördert und gefordert werden. Dabei spiele es keine Rolle, ob das Pferd später turniermäßig geritten werden soll, denn auch für das entspannte Reiten im Gelände sei diese Ausbildung eine gute Grundlage. Das Pferd solle Zuverlässigkeit, Trittsicherheit und Nervenstärke zeigen.

Dinge, die einem bei einem Ausritt begegnen können, sollten das Pferd nicht sofort in die Flucht schlagen.
Durchlässigkeit, Rittigkeit und Gehorsam seien weitere Ziele der Ausbildung - das Pferd solle aber auch konzentriert und aufmerksam selbständig mitarbeiten, führte IL weiter aus.
Anschaulich demonstrierte dies Angela Kaiser-Mayer an typischen Trailhindernissen und ritt auch mal mit Schirm oder Fahne in verschiedenen Gangarten über am Boden liegende Stangen und Stangenkombinationen, Slalom vorwärts und rückwärts um Pylone usw.

Als zweites folgte die Disziplin Western Horsemanship. Beim Turnier besteht diese Prüfung aus zwei Teilen: Zuerst wird von jedem Teilnehmer eine Einzelaufgabe, ein sogenanntes Pattern geritten, wie dies im einzelnen aussehen kann, führte AKM wieder praktisch vor.
Der zweite Teil der Prüfung besteht aus der Arbeit auf dem Hufschlag (railwork), in Form einer Gruppen-Prüfung, ähnlich der Western Pleasure.Das Pattern wird mit Pylonen markiert. An jedem Pylon ist ein bestimmtes Manöver auszuführen z.B. ein Gangartenwechsel, Hinterhandwendungen, Zirkel und Volten, Rückwärtsrichten usw.

IL erläuterte dazu, dass die punktgenaue Darbietung der Aufgabe, sowie der Reiter nach Sitz und feiner Hilfengebung bewertet wird.
Die Vorstellung solle kontrolliert und harmonisch wirken. Die schnell aufeinanderfolgenden Manöver bedingen ein sehr ruhiges Grundtempo.

Als dritte Grunddisziplin wurde die Western Pleasure angesprochen.
Die Western Pleasure ist eine Gruppenprüfung, d.h. alle Teilnehmer stellen ihre Pferde gleichzeitig vor. Dies gestaltete sich mit nur einer Vorführenden etwas schwierig.
Trotzdem gelang es AKM, das wesentliche dieser Prüfung zu veranschaulichen.
IL dazu: "Die Western Pleasure stellt die angenehmen Gebrauchseigenschaften eines Westernpferdes und den Vorteil dieser Reitweise für den Freizeitreiter unter Beweis.
Das Pferd soll entspannt sein, jedoch aufmerksam und bereit, die leichtesten Hilfen vom Reiter anzunehmen und zu befolgen.
Es soll am losen Zügel in allen Grundgangarten kontrolliert und vor allem weich und gesetzt gehen.
Harmonie und Qualität der Bewegungen (Weichheit), prompte, aber weiche Übergänge von einer zur anderen Gangart fließen beim Turnier ebenfalls in die Bewertung ein."

Als letzte Grunddisziplin wurde die Reining vorgestellt.
Die Reining ist eine in rasantem Tempo gerittene Dressurprüfung, in der die spektakulären Bewegungen der Rinderpferde zum Ausdruck kommen. Das Pferd soll "zwischen den Zügeln laufen" (to rein = zügeln) und sich kaum sichtbar lenken lassen. Alle Bewegungen müssen vom Reiter kontrolliert werden.
Bewertet wird die korrekte Ausführung der Manöver, deren Reihenfolge vorgeschrieben wird, und der Schwierigkeitsgrad (Schnelligkeit).
Während Iris Ley die einzelnen Manöver, wie z.B. Galoppzirkel in verschiedenen Tempi, Stops aus dem Galopp und Roll backs aufzählte, half die praktische Vorführung von AKM auch hier wieder zu einem besseren Einblick.

Den Fragen, wie man dahin kommt, welche Dinge in der Ausbildung des Pferdes den gezeigten Leistungen voran gehen und was dies mit Horsemanship zu tun hat, widmete man sich nach einer kurzen Pause, in der Ramona abgesattelt wurde.

Die meisten Themen, die bei der Beantwortung dieser Fragen erörtert wurden, kennt eigentlich jeder Pferdemensch und weiß mehr oder weniger darüber Bescheid.
Oft sind sie jedoch als eher "totes" Wissen latent vorhanden und nicht ständig bewusst.
Man wisse darum, wende dieses Wissen aber nicht an, erläuterte AKM ihre Motivation, auf diese Themen zu Anfang näher einzugehen.

Sie holte diese Grundsätzlichkeiten zu Beginn an die Bewusstseinsoberfläche, in dem sie die Bedürfnisse und Triebe des Pferdes, seine Sinne und sein Ausdrucksverhalten erörterte.
Besonders wies sie darauf hin, welche Konsequenzen sich für den Menschen daraus ergeben und wie man sein Pferd besser verstehen kann.

Mit diesem Hintergrund folgte wieder eine praktische Vorführung.
Während Iris Ley detailliert erklärte, was ein gut erzogenes Pferd können soll, zeigte dies AKM mit Ramona am Boden praktisch auf.
Besonders eindrucksvoll war hierbei das Freilaufen des Pferdes mit Anhalten und Rückwärtsrichten.

Nach einer kleinen Pause, in der die Kurs-Teilnehmerinnen ihre Pferde holten, ging es gleich wieder in die Praxis.
Der Vormittag war der Bodenarbeit gewidmet und der erste Schwerpunkt lag auf dem Führen des Pferdes.
Die Pferde sollten den Menschen als ranghöher akzeptieren, sich willig führen lassen, ohne die Führende anzurempeln oder zu überholen und willig anhalten, wenn der Mensch anhält.

Letzteres erwies sich anfangs noch als schwierig, wurde aber mit zunehmender Übung besser.
Kontinuierlich wurde dann der Schwierigkeitsgrad gesteigert. Führen um, über und durch Hindernisse machten Spaß und brachten viel Abwechslung ins spielerische Lernen.
Die Pferde zeigten sich nach kurzer Zeit durchweg hochkonzentriert und motiviert bei der recht ungewohnten "Arbeit". Und auch die Führenden arbeiteten Stück für Stück selbstsicherer, aber auch entspannter mit ihren Pferden, während AKM immer wieder bei den Einzelnen Hilfestellung gab, Erklärungen lieferte und technische Details erörterte.
IL gab dazu auch noch einige Anmerkungen zum Wie und Warum der Grunderziehung des Pferdes.

Viele Zuschauer nutzten die folgende Mittagspause, um Fragen zu stellen und sich auszutauschen.

Der Nachmittag wurde mit Reiten ausgefüllt.In bewährter Manier übernahm IL wieder das Mikrofon, während AKM das Gesagte praktisch mit Ramona verdeutlichte.
Als erstes Thema stand das Lösen des Pferdes auf dem Programm, gefolgt von Übungen, die zur Versammlung führen.
Wie schon am Vormittag wurden auch dabei verschiedene Medien eingesetzt z.B. Pylone und am Boden liegende Stangenkombinationen.

Der absolute Höhepunkt des Tages bestand in der nun folgenden Showvorführung.
Sehr eindrucksvoll demonstrierte AKM das zügelunabhängige Einwirken auf das Pferd in der Westernreitweise, indem sie Ramona die Trense abstreifte und durch einen Halsring ersetzte.
Garth Brooks sorgte für die stilvolle musikalische Untermalung.
Staunend beobachteten die Zuschauer, wie Ramona enge Trab- und Galoppvolten vollführte, sich scheinbar mühelos durch und über komplizierte Stangenkombinationen in den verschiedenen Gangarten lenken ließ und alles mit der gleichen Präzision, wie man dies Vormittags bei der Vorstellung der Turnierdisziplinen sehen konnte. Vertrauensvoll ließ sich das Pferd von der Fahne um wehen und sich selbige sogar über Augen und Ohren legen. Auch die vorgeführten Reiningelemente verloren durch die "Zügellosigkeit" nichts an Tempo und Genauigkeit.

Danach konnte sich das Publikum davon überzeugen, dass man sogar auf den Halsring verzichten kann ohne Kotrollverluste und Einschränkungen in der Wahl der Übungen.
Ob vorwärts, seitwärts oder rückwärts, ob im Galopp, beim Stop oder Roll back, das Pferd reagierte willig und aufmerksam auf die geringsten Hilfen ihrer Reiterin und löste die ihm gestellten Aufgaben mit Bravour.

Der krönende Abschluß, Kompliment mit Reiterin, verdeutlichte noch ein weiteres Mal die Vielseitigkeit der Pony Stute.

Nach einer kurzen Pause, in der die Teilnehmerinnen ihre Pferde sattelten, ging es im Anschluss an ein bisschen Theorie zu Ausrüstung und Sitz direkt ans praktische Reiten.
Da Pferde und Menschen überwiegend im klassischen Reitstil ausgebildet waren, verzichtete AKM auf ein intensives Eingehen auf die Hilfengebung und befasste sich schwerpunktmäßig mit den verschiedenen Möglichkeiten, am Boden liegende Stangenkombinationen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden zu bewältigen und damit neue Akzente in der Arbeit mit dem Pferd zu setzen. Die Experimentierfreudigkeit ihrer Reiterinnen honorierten die Pferde mit erhöhter Aufmerksamkeit und Durchlässigkeit.
Allen Beteiligten bereiteten die ungewohnten Aufgabenstellungen große Freude und offensichtlich hatten alle ihren Spaß daran, was eines der Ziele der Veranstaltung war.

Im Herbst sind weitere Eintages-Kurse mit AKM im Loreleytal geplant, deren Organisation Rita Lanius-Heck freundlicherweise übernehmen wird.

Mareike Glaser